Technologietransfer mit HTW-Studierenden


Fang Yang kam 2000 aus China für ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens an die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW). 2003 stand die praktische Studienphase auf dem Programm – diese hat sie nach Vermittlung durch ihren betreuenden Professor bei der Firma MHA Zentgraf absolviert. Günter Zentgraf, Geschäftsführer der MHA Zentgraf, war von den Kompetenzen der jungen Chinesin so begeistert, dass er ihr anbot, nach der praktischen Studienphase auch die Diplomarbeit beim Unternehmen zu schreiben. Es folgte ein Master-Studiengang im Jahr 2004, dessen Master-Thesis ebenfalls bei MHA Zentgraf entstand, und seit 2007 ist Fang Yang Geschäftsführerin der MHA Zentgraf Niederlassung in Shanghai.

Bei Fang Yang hatte MHA Zentgraf die erste praktische Studienphase betreut und das erste Diplomarbeitsthema gestellt. Die Ergebnisse beeindruckten die Verantwortlichen: Warum war man im Unternehmen bloß nicht früher auf die Idee gekommen, Studierende einzusetzen? Eine Frage, die sich viele Unternehmen stellen, die einen ersten Schritt in Richtung HTW gewagt haben. Für das Zögern gibt es verschiedene Gründe: als KMU (kleines und mittleres Unternehmen) traut man sich vielleicht nicht so recht an die Hochschulen heran. Das Bild des Elfenbeinturms geistert in vielen Köpfen herum und vielleicht steht auch die Frage nach der Leistungsfähigkeit eines "unfertigen" Ingenieurs im Raum. Zentgraf kann diese Bedenken heute getrost über Bord werfen. Es war die beste Entscheidung, die wir auf diesem Gebiet treffen konnten, hört man beim Gespräch heraus. Fang Yang war ein doppelter Glücksgriff, bringt sie doch eine Sprachkompetenz mit, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht gerade einfach zu finden ist. Zentgraf hat den ersten Kontakt mit der Hochschule nie bereut. Im Gegenteil: er baut ihn gerade aus. Denn die Hochschule hat mit ihren Studierenden und Professorinnen und Professoren gerade KMU einiges zu bieten.

Den Kontakt mit der Hochschule verstetigt Zentgraf über Prof. Dr. Jürgen Griebsch. Seit 2006 ist Griebsch an der HTW und hat im Sommersemester 2007 eine neue Lehrform eingeführt. Studenten arbeiten Teilaufgaben in einem Unternehmen ab, die erarbeiteten Inhalte werden mit allen Beteiligten gemeinsam besprochen, so dass alle auf dem gleichen Wissensstand sind. Bei MHA Zentgraf musste die Fertigung umstrukturiert werden. Ziel war es, den Materialfluss zu optimieren, um kostengünstiger und effizienter zu produzieren. Es war wenig Überzeugungsarbeit notwendig, bis Griebsch eine schlagkräftige Gruppe mit sechs Studierenden des Maschinenbaus (Marco Busse, Johannes Grasmik, Iwen Sausen, Michael Zimmer, Juri Kraft, Oliver Dahlhauser) und dem Verantwortlichen des CIM-Labors, Martin Weber, für dieses Projekt gewinnen konnte. Die Nähe zum „betrieblichen Alltag“ begann mit einer Analyse der (noch) aktuellen Fertigung, wobei auch Mitarbeiter des Unternehmens von den Studierenden interviewt wurden. Nach einer Identifizierung der Schwachstellen wurde ein Plan erstellt, der einen optimalen Fertigungsablauf darstellt. Die Studierenden, betont Griebsch, waren vom ersten Protokoll im April 2007, in dem die Erwartungen von MHA Zentgraf und des HTW-Teams abgestimmt wurden, bis zur Vorstellung des Restrukturierungskonzeptes immer eingebunden. So werden sie praxis- und anwendungsbezogen ausgebildet, sie erleben die Arbeitswelt, den direkten Kundenkontakt und lernen an der Realität - ein Wissen, das sich im Wettbewerb mit anderen Absolventen sicher als Vorteil herausstellen wird. Und: Sie arbeiten nicht für den Papierkorb oder für ein verstaubtes Regal - auf der Grundlage der Ergebnisse wird die Produktion der Firma 2008 um 1200 m2 erweitert. MHA Zentgraf, stark in der Ausbildungsleistung in Lehrberufen, sichert mit dieser Investition den Standort und die dortigen Arbeitsplätze und kommt damit seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen nach.

Auf Grundlage der Ergebnisse des im Oktober nach fünf Monaten abgeschlossenen neuen Lehrkonzepts hat Adil Hathout, Wirtschaftingenieur-Student in der Praxisphase, Ende Oktober direkt in sein Praxissemester einsteigen können. Er wird für die neue Produktionshalle, die zukünftig die maschinenintensive Fertigung beherbergen wird, eine Marktrecherche über die neu zu beschaffenden Maschinen erstellen. So wird MHA Zentgraf maßgeblich dabei unterstützt, für die eigene Produktion eine optimale Maschinenparklösung zu erhalten. Auf den Ergebnissen von Hathouts Arbeit aufbauend, sollen im nächsten Jahr die Maschinen mit einem Investitionsvolumen von 4 Millionen Euro beschafft sowie der Neubau der Fertigungshalle bezogen werden. Es gehört auch zu seinen Aufgaben, zu prüfen, inwiefern durch die Veränderungen von Maschinen und Gebäude mehr Zeit für höherwertige Tätigkeiten der Mitarbeiter frei wird, um sämtliche Ressourcen (Personal und Maschinen) effektiver einsetzen zu können. Die Summe der unternehmerischen zukunftsorientierten Entscheidungen erhöht langfristig die Wettbewerbsfähigkeit von MHA Zentgraf und sichert dadurch den Standort und die Arbeitsplätze.

Das Beispiel des Einsatzes der Studierenden bei MHA zeigt, dass das Aufgabenspektrum, das Studierenden anvertraut werden kann, groß ist. Selbstverständlich auch, weil sie von Professoren und den Mitarbeitern der Unternehmen betreut werden. Das hätte auch Zentgraf vor seinen Erfahrungen mit Fang Yang und dem unternehmensnahen neuen Lehrkonzept von Griebsch nicht gedacht. Dass dabei beide Seiten gewinnen, steht außer Frage: der Student erhält das notwendige praktische Wissen und lernt, sich in der Arbeitswelt sicher zu bewegen. Das Unternehmen kann vom Wissen des Studierenden und seines Betreuers profitieren – gerade kleine und mittlere Unternehmen sollten diese Möglichkeit des Technologietransfers nutzen. Größere Themengebiete können über Forschungsprojekte von HTW-Professoren in Angriff genommen werden. Generell gilt für die regionalen KMU: Fragen kostet nichts und den meisten, die gefragt haben, konnte eindrucksvoll geholfen werden. Und die KMU wiederum haben geholfen, eine praxis- und anwendungsnahe wissenschaftliche Ausbildung zur Verfügung zu stellen. Neudeutsch nennt man das eine win-win-Situation.


Hintergrund: MHA
MHA Zentgraf wurde 1945 von Alfred Zentgraf als Maschinenbauunternehmen gegründet. Seit 1978 produziert MHA Hochdruckkugelhähne und Ventile. Heute ist MHA in diesem Bereich weltweit einer der führenden Hersteller. Kurze Durchlaufzeiten ermöglichen die Lieferung der Serienprodukte binnen 48 Stunden. Eine weitere Stärke ist die schnelle Lösung von komplexen Entwicklungen durch die MHA-Ingenieure in Zusammenarbeit mit ihren Kunden.

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