Preis der Saarlandbotschafter 2009 geht an zwei HTW-Absolventinnen


Agatha Niesen und Pia Mohr, Absolventinnen der Fakultät für Sozialwissenschaften der HTW, wurden am 3. Juli 2009 mit dem mit 1.000 Euro dotierten Preis der Saarlandbotschafter 2009 ausgezeichnet.

Der zweite Dialog der Saarlandbotschafter 2009 stand unter dem Motto „Klein, stark und quicklebendig – die Chancen des Saarlandes angesichts der demographischen Entwicklung“. Das Saarland ist vom demographischen Wandel besonders betroffen. Nach den derzeitigen Prognosen wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2020 um knapp 76.000 auf weniger als eine Million Menschen abnehmen. Es wird 30% weniger Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren geben, während gleichzeitig die Zahl der über 80jährigen um 44% ansteigen wird.

In der von Prof. Dr. Martha Meyer betreuten gemeinsamen Bachelor-Arbeit von Niesen und Mohr mit dem Titel 'Anforderungen an die Pflegeberatung und an das Case Management vor dem Hintergrund der aktuellen Implementierung von Pflegestützpunkten im Saarland' stellen die Autorinnen fest, dass der demografische und soziale Wandel sich auf die Versorgungssituation hilfe- und pflegebedürftiger Menschen auswirken wird (der Anteil pflegebedürftiger Menschen wird sich bis zum Jahre 2050 verdoppeln; die Anzahl der Personen, die häusliche Hilfe- und Pflegeleistungen übernehmen wird sich hingegen um 40% verringern). Zur Bewältigung der Pflegebedürftigkeit und zur Vorbereitung und Stabilisierung der häuslichen Pflege werden eine nutzerorientierte, professionelle Beratung und Koordination unterschiedlicher Hilfsangebote immer wichtiger.

Mit der jüngsten Reform der Pflegeversicherung werden die Pflegekassen verpflichtet, diese umfassenden Beratungsaufgaben neutral wahrzunehmen. Die Innovation dieser Pflegeberatung liegt in der Erweiterung zu einem Case Management, das den Hilfeprozess im Einzelfall angemessen strukturieren soll. Pflegeberatung und Case Management konsequent umzusetzen bedeutet auch ein breites Leistungsspektrum professioneller, komplementärer und präventiver ambulanter Hilfsmöglichkeiten, im Sinne eines Netzwerkmanagements, aufzubauen und vorzuhalten. Als entsprechende Anlaufstellen sollen Pflegestützpunkte wohnortnah eingerichtet werden.

Im Rahmen der Bachelorthesis wurden die Anforderungen an eine Pflegeberatung und an das Fallmanagement theoretisch herausgearbeitet. Die derzeit bestehenden saarländischen Beratungseinrichtungen wurden empirisch untersucht, um festzustellen inwieweit diese Institutionen bereits zusammenarbeiten, um den Aufbau von Doppelstrukturen zu vermeiden und welche sozialpflegerischen und sozialrechtlichen Beratungsleistungen bereits angeboten werden und ob die Beratungsstellen zur Nutzung von Synergieeffekten mit den Pflegestützpunkten vernetzt werden können.

Das Ergebnis der schriftlichen Befragung zeigt, dass

  • die saarländische Beratungsinfrastruktur in diesem Bereich zwar inhaltlich umfassend ausgebaut,
  • jedoch zu Lasten der Ratsuchenden durch Intransparenz, Trägerpluralität und eine erschwerte Zugänglichkeit charakterisiert ist.
  • Bezüglich der Fall- und der Netzwerkarbeit ist noch erhebliche Pionierarbeit, wie eine klare Aufgaben-, Verfahrens- und Funktionsbeschreibung, zu leisten, um pflegebedürftige- und hilfebedürftige Menschen und ihre Angehörigen passgenau zu unterstützen. Ohne ein Gesamtkonzept, Netzwerkmanagement und einem standardisierten Case Management Konzept in der Fallführung ist zu befürchten, dass mit der Implementierung der Pflegestützpunkte nur ein Etikettenwechsel stattfindet und sich die Situation für Ratsuchende nicht verbessern wird.

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