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Bauingenieure bringen Kirche unter die Haube

Prof. Dr. Günter Schmidt-Gönner, Fachbereich Bauingenieurwesen

Die barocke Turmhaube der Schlosskirche in Saarbrücken wurde im Bombenangriff des 5. Oktobers 1944 zerstört und nach dem Krieg durch ein einfaches Zeltdach ersetzt. Dieses einfache Dach, eindeutig als Provisorium geplant, hat in über 50 Jahren unser Bild der Schlosskirche geprägt. Vor ca. fünf Jahren hatte der Vorstand des Arbeitgeberverbands der Bauindustrie (AGV) die Idee, durch den Wiederaufbau des barocken Turmhelms der Schlosskirche der Stadt einen Teil ihrer barocken Identität zurückzugeben.

Durch die bestehende Kooperation des Fachbereichs Bauingenieurwesen mit dem AGV wurde der Fachbereich gebeten, die ersten Schritte zur Realisierung dieser Idee anzugehen. Die barocke Haube war eine Zwillingskonstruktion der Haube auf der ev. Kirche St. Johann, die im übrigen heute noch als Originalkonstruktion von ca. 1740 erhalten ist. Nach Besichtigung dieser Konstruktion erhielten die Studenten Günther Mayer und Marcus Obermayr ihr Diplomarbeitsthema, die bestehende Konstruktion zu analysieren und eine moderne Holzkonstruktion für einen Wiederaufbau zu entwerfen.

Unter Betreuung von Prof. Dr. Günter Schmidt-Gönner gelang den Studierenden eine gute Konstruktion, die Arbeit erhielt den Preis der Ingenieurkammer Saar 2006. Der wesentliche Unterschied zur alten Konstruktion ist, dass die Haupttragstützen als abgeknickte Holzleimbinder hergestellt sind, und deshalb die Lasten direkt auf das Mauerwerk des Turmes abgetragen werden können. Außerdem werden die formgebenden Teile ebenfalls aus Leimholz-Brettscheiben gebildet. In einem weiteren Schritt wurde die bestehende Turmkonstruktion im Rahmen einer Studienarbeit im Fach Tragwerkserhaltung untersucht und für ausreichend tragfähig befunden.

      

Um die Arbeiten voranzubringen, wurde ein Verein zur Förderung des Wiederaufbaues der barocken Kirchturmhaube gegründet, auch hier gehörten einige Vertreter der HTW zu den Gründungsmitgliedern. Nach intensiven Diskussionen mit dem Denkmalschutz und dem Eigentümer der Kirche konnten Mitte des letzten Jahres die ersten Arbeiten an der kleinen Zwiebel durch Zimmerer- und Dachdecker-Lehrlinge begonnen werden. Auch die Planungsarbeiten im Architekturbüro Krüger wurden durch einen Architektur-Studenten der HTW im Praxissemester unterstützt. Die Arbeiten der unteren Zwiebel wurden an saarländische Handwerker vergeben und im Wesentlichen entsprechend dem Entwurf der beiden Diplomanden ausgeführt. Am 8. März konnten die beiden Teile mit einem großen Kran auf den Turm gehoben werden. Zur Zeit wird noch die untere Zwiebel mit Hilfe von Schutzgerüsten verschiefert. In ca. einem Monat wird dann die komplette Kirche mit neuem barocken Turmhelm ohne Gerüst das Stadtbild bereichern.
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