HTW-Online Nr. 49
Internationale Woche im Fachbereich Betriebswirtschaft
Ralitza Antcheva, Prof. Dr. Holger Buck, Fachbereich Betriebswirtschaft
Vom 5. - 9. Mai 2008 führte der Fachbereich Betriebswirtschaft zur weiteren Internationalisierung der Lehre erstmals die International Teaching Week / Semaine Internationale d’Enseignement durch. 12 Gastdozentinnen und Gastdozenten von Partnerhochschulen aus 4 Ländern präsentierten 70 Stunden ganz unterschiedliche Lehrveranstaltungen.
Bewusst in der Europawoche veranstaltete der Fachbereich Betriebswirtschaft erstmals eine der internationalen Lehre verpflichtete Woche, an der 12 französische, englische, lettische und polnische Gastdozentinnen und Gastdozenten teilnahmen.
Ziel der Woche war der weitere Ausbau der Internationalisierung der Lehre. Die International Teaching Week verdeutlichte den Studierenden auf dem heimischen Campus die europäische Dimension des heutigen (Arbeits-) Lebens und führte ihnen die Chancen des LLP-Erasmus Programms der EU vor Augen, zur eigenen persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung und durchaus auch zur Karriereplanung ein in das heimatliche Studium voll integriertes und voll angerechnetes Auslandsstudium durchzuführen. Da die Zahl der Studierenden, die für ein oder zwei Semester im Ausland studiert, immer noch zu klein ist – übrigens nicht nur an der HTW, sondern an den meisten europäischen Hochschulen –, bot die International Teaching Week die hervorragende Gelegenheit, dass alle Studierenden zuhause Lehrveranstaltungen ausländischer Dozentinnen/Dozenten in Fremdsprache besuchen konnten. Mit der großen Zahl von 70 Semesterwochenstunden gelang für eine Woche die Simulation eines Auslandsstudiums.
Die International Teaching Week war in das laufende Vorlesungsprogramm integriert. Alle Gäste waren jeweils einer Professorin/einem Professor der HTW in deren/dessen planmäßigen Lehrveranstaltung zugeordnet. Der Bogen spannte sich über die meisten Gebiete der modernen Betriebswirtschaftslehre, von „E-Commerce“ über „Analyse financière“ und „Interkulturelles Management“ hin zu „Legal Aspects of Business Activities“. Dazu wurden Vorlesungen gehalten und seminaristische Veranstaltungen durchgeführt, aber es fanden auch neue Lehrformen wie z.B. kleine Projekte gelungenen Einsatz. Prof. Sylvie Stéphan von der ESC Bretagne-Brest untermauerte ihre Vorlesung zu Entrepreneurship mit einem von den Studierenden begeistert aufgenommenen Quiz, bei Prof. Dr. David Allsop von der University of Hertfordshire mussten die Studierenden Präsentationen zu „Industrial Relations“ in ausgewählten europäischen Ländern halten. Prof. Dr. Joseph Heili von der ESC de Chambéry und Prof. Dr. Thomas Bousonville von der HTW führten gemeinsam mit einer Studierendengruppe im Master-Studiengang „International Management“ das am MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelte Planspiel „Beer Game“ durch. Dabei nehmen die Studierenden die vier Wirtschaftsstufen Fabrik, Regionallager, Großhändler und Einzelhändler ein und simulieren anhand von Bier-Bestellungen das Supply Chain Management. Weil jede Spieler-Gruppe nur Informationen über die eigene Stufe besitzt, schaukelt sich das System schnell auf (Peitscheneffekt), was selbst erfahrenen Logistikern Mühe bereitet. Da alle Unterlagen zu den Lehrveranstaltungen der ausländischen Gäste im Intranet zum Download bereitgestellt sind, fehlt auch nicht die wichtige Komponente der Nachhaltigkeit.
Internationalisierung der Lehre beinhaltet auch Mobilität von Dozentinnen und Dozenten. Glückwünsche und Dank zur ihrer diesjährigen 5. Tätigkeit als Gastdozentin an der HTW konnte Prof. Pacale Rey-Martin von der ESC de Chambéry entgegennehmen. Dozentinnen und Dozenten des Fachbereichs Betriebswirtschaft ihrerseits waren im Studienjahr 2007/08 beinahe 25 Mal bei Partnerhochschulen, um dort Gastvorlesungen zu halten. Gegenüber solchen Einzeldozenturen liegt der Vorteil einer International Teaching Week klar auf der Hand: die Möglichkeit zum Networking bei Lehre und Forschung. Und dies wurde in der zweiten Maiwoche an der HTW ausgiebig genutzt. Prof. Dr. Christophe Morace von der ESC Bretagne-Brest und Prof. Dr. Mario Glowik von der HTW zum Beispiel bot die Woche die perfekte Gelegenheit, gemeinsame Forschung voranzutreiben.
Viele ausländische Partnerhochschulen verfügen nicht über so herausragende Kontakte zur Wirtschaft wie die HTW. Von den Kooperationen mit Unternehmen waren die Gäste, die am 9. Mai am „Tag der Wirtschaft“ teilnahmen und die rund 40 Stände der Kooperationspartner aus der Industrie besuchten, schwer beeindruckt. Anschließend empfingen in Mettlach führende Mitarbeiter der Villeroy & Boch AG Professorinnen und Professoren der Partnerhochschulen und der HTW zur Vorstellung des Unternehmens, zur Ausweitung der Kooperation Villeroy & Boch/HTW im internationalen Bereich und zum Gedankenaustausch.
Ein Spaziergang zur Saarschleife und ein französisches Abendessen am 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation, auf dem historischen, heute friedvollen Boden der Spicherer Höhe, rundeten die Woche ab.
Die Turiba School of Business Administration in Riga und die Ecole Supérieure de Commerce de Chambéry signalisierten, dass sie nach dem HTW-Vorbild ebenfalls International Weeks installieren wollen. Das ist eine schöne Bestätigung.


