HTW-Online Nr. 48
Exkursion zur „Horizonterweiterung“
Matthias Kiefaber, Prof. Dr. Martin Buchholz, Prof. Dr. Dietmar Brück
Mobile Elektrotechnik auf einem Kreuzfahrtschiff - Ein Erfahrungsbericht von Matthias Kiefaber
Die Idee:
Der Fachbereich Elektrotechnik pflegt seit Jahren Kontakte zu verschiedenen Firmen im In- und Ausland, sowie zu diversen Partnerhochschulen. Eine der letzten Exkursionen ging nach Vigo in Galizien (Nord-Ost Spanien). Hier haben die Teilnehmer ein Fazit Ihrer Erfahrungen mit Exkursionen der Hochschule und der VDE Hochschulgruppe gezogen und sie kamen zu dem Entschluss, eine besondere weitere Exkursion zu planen.
Ziele der Exkursion sollten wie immer Technik und Kultur sein. Aber auch der gewohnte Kontakt zu anderen Hochschulen sollte nicht fehlen. Diese Ziele konnten wir in 5 Tagen auf der AIDA Cara auf der Mittelmeerroute Palma, Cannes und Barcelona realisieren.
Der erste Kontakt:
Die Kontaktaufnahme mit verschiedenen Redereien war durch die VDE Hochschulgruppe und den AStA schnell geschehen. Es folgten Verhandlungen über den Preis und wir prüften die Interessensübereinkünfte. Schnell wurde klar, dass die AIDA Gruppe perfekt zu uns passen würde. Offene Ingenieursstellen auf See und unser guter Ruf als HTW machen uns für die AIDA Gruppe interessant, so dass wir wenige Tage nach der Kontaktaufnahme schon erste Ergebnisse erzielen konnten.
Wir wurden von AIDA Cruises eingeladen (preislich kam man dem geringen Studierenden-Budget entgegen) die AIDA Cara auf einer Mini-Kreuzfahrt vom 31.3 bis 4.4.2008 zu begleiten und die Technik mit den verantwortlichen Ingenieuren im Einsatz zu beobachten und zu besichtigen.
Nachdem die Route und das Datum bekannt war, stellte Frau Kollmann vom AAA einen weiteren Kontakt her. Die private Universität in Barcelona (Universitat Pompeu Fabra) mit Ihrem Studien- und Forschungsangebot in den Bereichen der Biomedizin und Elektrotechnik, stellte sich als sehr interessante Anlaufstelle heraus.
Erster Tag:
Es ging schon sehr früh bzw. für den ein- oder anderen spät los. Um 2:30 Uhr am Montagmorgen starteten wir pünktlich mit dem Bus nach Frankfurt am Main (Flughafen). Der Bustransfers und der Flug von Frankfurt nach Palma verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Vom Flughafen Palma transportierte uns ein angenehmer Reisebus bis zum Industriehafen von Palma. Hier checkten wir auf die AIDA Cara ein.
Um 17:00 am selben Tag begrüßte uns Frau Steffi Harder, Manager HR Development bei AIDA Cruises an Bord und machte uns mit dem Gästebereich vertraut. Der Chef des Entertainments an Bord begleitete den Schiffsrundgang und gab uns Einblicke hinter die Kulissen der Unterhaltungsmaschinerie „Clubschiff“. Der Abend stand unter dem Motto „Leinen Los“. Der Tag endete auf See bei Windstärke 12 in der AIDA Disco Anytime auf Deck 11.
Zweiter Tag (Seetag):
Der Zweite Tag diente der Entspannung und der Akklimatisierung an Bord. Die Ruhe wurde nur kurzzeitig durch die international vorgeschriebenen Seenotrettungsübungen unterbrochen. Nachmittags wurden wir von Frau Harder in die Welt der AIDA Cruises eingeführt und die Exkursionsteilnehmer konnten Fragen zu Gehalt und Arbeitsbedingungen für Ingenieure an Bord einer AIDA stellen. Der Tag endete für uns legère in der Anytime Bar und im Bord Theater. Die mitreisenden Professoren Buchholz und Brück mussten sich allerdings noch einem Geschäftsessen mit dem Hotelchef der Aida unterziehen. Zahlreiche Informationen zu Arbeitsbedingungen wurden noch ausgetauscht.
Dritter Tag (Cannes):
Vor Anker in Cannes konnten wir endlich in den Maschinen- und Kontrollraum. Wir wurden den ganzen Vormittag durch das Herz des Schiffes geführt und konnten technische und wissenschaftliche Fragen loswerden, die uns zwei Ingenieure, darunter der Chefingenieur, gerne, geduldig und kompetent beantworteten. Auch hier erhielten wir wieder Einblicke hinter die Kulissen. Wir sahen noch die Offiziersmesse, falls diese nicht im normalen Restaurantbetrieb essen wollten, ferner die Mannschaftsmesse. Wir konnte die Unterkunft eines Ingenieurs an Bord kennen lernen und streiften kurz die medizinische Abteilung. War das alles schon interessant und aufregend, so wurden wir danach fast von Ehrfurcht ergriffen.
Als absolute Ausnahme durften wir auch die Brücke betreten und besichtigen; Technik pur und vom Feinsten. Alle Details wurden erläutert, vom kleinsten Anzeigegerät bis zum Autopiloten. Der Kapitän und der Staff-Captain waren ebenfalls anwesend. Der erste Offizier gab geduldig Auskunft auf alle Fragen. Als Dank haben wir dann auch einige Tasse der HTW bzw. der Automatisierungstechnik überreicht. Zukünftig kann man also auf der Brücke der Aida-Cara aus HTW-Tassen den Kaffee auf einer mal langweiligen Nachtwache schlürfen.
Nachmittag blieben noch ein paar Stunden um mit einem Tenderboot zum Land überzusetzen und Cannes auf uns einwirken zu lassen. Der Flair der Cote D´ Azur war an jeder Ecke zu spüren, sei es in Cafes an der Croisette oder an den ausgefallenen Boutiquen aller Mode-Ikonen. Die Rückfahrt mit den Tenderbooten war dann ein besonderes Erlebnis, denn mittlerweile hatte der Seegang wieder zugenommen und es war ein aufregendes Erlebnis aus dem stark schaukelnden Beiboot wieder auf die große Aida hinüber zu springen.
Abends konnten schon erste personelle Verluste beobachtet werden, denn die Seefahrt macht auch müde. Doch der harte Kern hielt tapfer durch und tankte bei einem kleinen nächtlichen Bad im Whirlpool neue Kräfte, um die Verluste der Gruppe bestmöglich in der Anytime Bar vertreten zu können.
Vierter Tag (Barcelona):
Früh morgens in Barcelona wurden wir an der privaten Universität in Barcelona (Universitat Pompeu Fabra) von Herrn Prof. Dr. Oscar Camara erwartet. Er zeigte uns, dass diese kleine Universität durchaus viel zu bieten hat, und erläuterte uns aktuelle Projekte aus den Gebieten IT, Bilderkennung, Biomedizinische Technik und Nachrichtentechnik. In Erinnerung blieb hier sicherlich jedem Teilnehmer die Laborführung zum „Visuellen Synthesizer“.
Da die Millionenstadt Barcelona auch kulturell viel zu bieten hat, nutzten wir die restliche Zeit nach der Universitätsbesichtigung, um alles um das Zentrum anzuschauen. Eindrucksvolle Erlebnisse konnte man hier auf der la Rambla selbst, aber auch bei der Kathedrale oder der Sagrada FamÃlia, mitnehmen. Abends konnte man auf Deck tanzen, was Prof. Brück auch ausgiebig tat, oder aber mit Prof. Buchholz in der Anytime Bar „chillen“.
Fünfter und letzter Tag (Palma):
Um 9:00 Uhr hieß es Kabine räumen und langsam Abschied nehmen. Nach einem letzten Frühstück brach die Gruppe auf, um sich ein wenig Palma anzuschauen und für die Daheimgebliebenen Mitbringsel zu organisieren. Der Flug und anschließende Bustransfer funktionierten reibungslos. Gegen 3:00 Uhr Nachts liefen wir wieder im Heimathafen HTW ein.
Abschließend stelle ich fest, dass diese Exkursion wieder einmal eine perfekte Ergänzung zum Lehrbetrieb der HTW war. Alle Studierenden konnte hier wertvolle Erfahrungen für ihr späteres berufliches Leben sammeln. Aber auch soziale Aspekte und neue Soft Skills kamen nicht zu kurz. Ich möchte keine Erfahrung auf dieser Exkursion missen oder eintauschen.


