Master-Studiengang Biomedizinische Technik
Biomedizinische Technik
Die biomedizinische Technik ist ein multidisziplinäres Fachgebiet, in dem sich verschiedene Disziplinen der Medizin, der Ingenieurwissenschaften und der Naturwissenschaften berühren. Der Studiengang ist in die trilaterale Initiative der Landesregierung, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Hochschulen des Saarlandes zur Schaffung einer Biotechnologieplattform im Saarland eingebettet. Er stellt einen ergänzenden Beitrag zum Aufbau neuer Kompetenzen auf dem Gebiet der Biotechnologie im Saarland dar, die von der Landesregierung im Rahmen des Strukturwandels geschaffen werden. Er wird in Kooperation zwischen der HTW, dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert (IBMT) und dem Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg durchgeführt. In diesem Studiengang werden die medizinischen, biomedizintechnischen und natur- bzw. ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen für das spätere Arbeiten und Forschen in anspruchsvoller Position gelegt. Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich von der Entwicklung und Applikation von Medizinprodukten, der hochspezialisierten medizinischen Betreuung, der biomedizintechnischen Forschung bis hin zum Umwelt- und Strahlenschutz.
Studienprogramm
Der Studiengang ist als viersemestriger Aufbaustudiengang konzipiert und führt zum Abschluss Master of Science. Er bietet eine Schwerpunktbildung im Bereich „Medizinphysik“ und, bislang einmalig in Deutschland, im Bereich „Neural Engineering“. Im Schwerpunkt Medizinphysik erlangen die Studierenden Fachkenntnisse für die Anerkennung als Medizinphysikexperte und können im klinischen Alltag im Bereich der Anwendung ionisierender Strahlung in der Medizin tätig werden. Im Verlauf des Studiums können die theoretischen Vorkenntnisse für den Medizinphysiker nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) erworben werden. Als zweiter Schwerpunkt wird die Fachrichtung „Neural Engineering“ angeboten. Sie vermittelt detaillierte Kenntnisse im Bereich elektrisch aktiver Implantate (Cochlear-Implantate, Tiefenhirnstimulation u.ä.) sowie der Nutzung von bioelektrischen Signalen zur Diagnose und zum intraoperativen Monitoring. Berufsfelder dieser Fachrichtung liegen sowohl im industriellen Bereich bei der Entwicklung von Stimulatoren und Diagnosegeräten, im Service und der technischen Assistenz als auch in Forschung und Entwicklung neuartiger Applikationen im Bereich der neurologischen Rehabilitation.
Durch Projektarbeiten, Praktika in Industrie und Klinik sowie anspruchsvolle Forschungsarbeiten im Rahmen der Master Thesis werden enge Kontakte zu Kliniken, Hochschulen und Forschungseinrichtungen etabliert, die einen detaillierten Einblick und eine gute Ausgangsposition im Hinblick auf das künftige Tätigkeitsfeld oder, für besonders leistungsstarke Studierende, die weitere Qualifikation durch eine Promotion bieten.
Internationalität
Für den Studiengang Biomedizinische Technik gilt das European Credit Transfer System (ECTS), ein System zur Förderung der Mobilität von Studierenden innerhalb Europas. Kernelement des ECTS sind sogenannte Anrechnungspunkte (credits), die den einzelnen Lehrveranstaltungen bzw. Studien- und Prüfungsleistungen zugeordnet werden. Wird das Studium an einer ausländischen Hochschule fortgesetzt, so werden die an der HTW erworbenen ECTS-Punkte voll angerechnet. Gleiches gilt, wenn Studierende von einer anderen Hochschule kommend ihr Studium an der HTW fortsetzen möchten.

Studienverlauf
1. Semester (nicht konsekutiv): Medizinische, naturwissenschaftliche und technische Grundlagen
Im ersten Semester erfolgt eine Harmonisierung der Vorkenntnisse. Dabei sollen allen Studierenden die jeweils nötigen Grundlagen für ein gemeinsames Studium vom zweiten Semester an vermittelt werden.
Medizinische Grundlagen
- Anatomie Physiologie
- Physiopathologie
- Medizinische Terminologie
- Biochemie
Naturwissenschaftliche Grundlagen
- Mathematik
- Physik
- Informatik
Technische Grundlagen
- Elektrotechnik und Schaltungstechnik
- Konstruktionslehre
- Maschinenelemente und CAD
- Technische Chemie und Werkstoffkunde
- Automatisierungs- und Regelungstechnik
2. Semester (nicht konsekutiv) 1. Semester : Biomedizintechnisches Fachwissen und Vertiefung
Im zweiten (ersten) Semester wird biomedizintechnisches Fachwissen, vor allem zur biomedizinischen Signal- und Bildverarbeitung und der aktuellen medizinischen Gerätetechnik den Studierenden sowohl in gemeinsamen Vorlesungen als auch in Praktika vermittelt. Darüber hinaus finden erste vertiefungsrichtungsspezifische Lehrveranstaltungen statt, in denen den Studierenden Spezialwissen vermittelt wird.
Fachwissen
Biomedizinische Signal- und Bildverarbeitung
Aktuelle Medizinische Gerätetechnik
Medizinprodukterecht
Vertiefung Medizinphysik
Schwerpunkt der Vertiefungsrichtung „Medizinphysik“ ist in diesem Semester der Erwerb der Fachkunde im Strahlenschutz für die Anerkennung zum Medizinphysikexperten im Sinne der „Richtlinie Strahlenschutz in der Medizin“. Hinzu kommt ein weit gefächertes Spektrum anderer Aspekte der Medizintechnik; von der Audiologie über die Medizinische Optik – einschließlich Augen- und Gewebeoptik – bis hin zum Ultraschall in der Medizin.
- Medizinphysikexperte
- Audiologie
- Medizinische Optik
- Ultraschall in der Medizin
Vertiefung Neural Engineering
- Fertigung aktiver Implantate
- Klinische Neurophysiologie
- Neuronale und kognitive Systeme
- Neurobiologie
- Mikrosystemtechnik
- Höhere Mathematik
3. Semester (nicht konsekutiv) 2. Semester: Spezialisierung und Projektarbeit
Im dritten (zweiten) Semester wird in einer Fragestellung der angewandten Forschung und Entwicklung von den Studierenden eine Projektarbeit erstellt. Sie wird an der HTW, am IBMT, am Universitätsklinikum des Saarlandes oder an anderen Kliniken oder in Firmen der Medizintechnik durchgeführt. Die Ergebnisse sind in einer Fachzeitschrift zu publizieren. Durch Wahlpflichtfächer wird das Wissen der gewählten Vertiefungsrichtung individuell erweitert.
Vertiefung Medizinphysik
In diesem Semester liegt das Hauptgewicht der Vertiefungsrichtung „Medizinische Physik“ auf den bildgebenden Verfahren in der Medizin. Die Pflichtvorlesung präsentiert die physikalischen und mathematischen Grundlagen, den Geräteaufbau und die diagnostische Anwendung verschiedener, vor allem tomografischer Verfahren; bietet aber auch einen Vergleich und eine Risikobewertung. Im Wahlpflichtmodul ist eine weitere Vertiefung der Kenntnisse der Röntgenaufnahmetechnik und der Magnetresonanztomografie möglich. Die Ausbildung im Strahlenschutz wird durch ein Praktikum zur Messung ionisierender Strahlung ergänzt. Die medizinische Statistik legt die mathematischen Grundlagen zur Bewertung medizinischer Messdaten und Auswertung klinischer Studien.
- Bildgebende Verfahren in der Medizin
- Medizinische Statistik
- Messung ionisierender Strahlung (Praktikum)
Im Wahlbereich lassen sich außerdem die Kenntnisse in der medizinische Optik um den Bereich der Laseranwendungen in der Medizin und ihre physikalischen Grundlagen erweitern; auch lässt sich die Qualifikation auf die Bereiche der Elektromagnetischen Verträglichkeit in der Medizin oder die Gebäudesystemtechnik erweitern.
- Röntgenaufnahmetechnik
- Magnetresonanztomografie
- Gebäudesystemtechnik
- EMV in der Medizin Laser in der Medizin
Vertiefung Neural Engineering
- Neurosignalverarbeitung und Modellierung
- Neuroprothesen Klinische Neurophysiologie (Praktikum)
- Wahlpflichtmodul
- Auditive Verarbeitung und Wahrnehmung
- Biomaterialien
- EMV in der Medizin
- Numerische Mathematik
4. Semester (nicht konsekutiv) 3. Semester: Erstellung und Verteidigung der Master Thesis
Im vierten (dritten) Semester wird die Master Thesis angefertigt und in einer Publikation zusammengefasst. Die Master Thesis kann auch auf der Projektarbeit des dritten Semesters aufbauen und extern durchgefĂĽhrt
Zugangsvoraussetzungen
Zulassungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches, medizinisches oder technisches Studium mit mindestens sechs Theoriesemestern, der erste berufsqualifizierende Abschluss (Bachelor, Diplom, Staatsexamen) und deutsche und englische Sprachkenntnisse. Als Grundlage für die Studienplatzvergabe ist eine schriftliche, aussagekräftige Bewerbung erforderlich. Dieser sind die üblichen Zeugnisse, Nachweise über eine allgemeine und fachbezogene Berufserfahrung sowie eine ausführliche Darstellung der Motivation für das Studium einschließlich möglicher vorhandener, außergewöhnlicher persönlicher Leistungen (auch fachfremd) beizufügen. Auf der Grundlage der Bewerbungsunterlagen erfolgt eine Auswahl der Studierenden durch eine Kommission, die sich aus Mitgliedern der Kooperationspartner zusammensetzt. In Einzelfällen werden Auswahlgespräche mit den Bewerber(inne)n geführt.



