Warum anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung an der HTW?
Prof. Dr. Günter Schultes, Prorektor für Forschung und Wissenstransfer
Wir freuen uns, Sie über die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes informieren zu können. Sie finden verschiedenste Themenbereiche aus unseren vier Fachgebieten, den Ingenieurwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften, dem Bauen und Planen und dem bei uns noch jungen Bereich der Sozialwissenschaften. Forschung und Entwicklung ist für die Fachhochschulen keine selbstverständlich stattfindende Betätigung, wird sie doch nicht, wie an den Universitäten üblich, staatlich grundfinanziert.
Umso erfreulicher ist das Spektrum der Forschungsthemen, die Sie an unserer Hochschule finden können. Alle Themenfelder und Forschungsprojekte entstammen letztendlich den gezielten, oft mühsamen Anstrengungen einzelner Professorinnen und Professoren, die neben dem Einsatz ihres fachbezogenen Wissens auch die entsprechenden Finanzierungen „besorgt“ haben und immer wieder beschaffen.
Vielleicht fragen Sie sich nun, ob Fachhochschulen überhaupt forschen sollten. Sollten wir uns nicht besser auf die Vermittlung des Wissens an die Studierenden konzentrieren und die Forschung den großen Forschungsinstitutionen und den Universitäten überlassen? Unsere Antwort ist ein deutliches Nein. Zwei Gründe mögen diese Sicht belegen. Der erste Grund liegt in der Lehre selbst. Wir möchten die aktuellen Methoden und das aktuelle Wissen vermitteln, und wir wollen kontinuierlich versuchen, die Begeisterung für unsere Themen „herüberzubringen“. Wir glauben nicht, dass es dazu einen anderen Weg gibt, als selbst als Forscher am Ball zu bleiben.
Der zweite Grund ist im Bedarf der Industrie und der Gesellschaft nach sehr anwendungsorientierter Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu sehen. Neben der zweifellos äußerstwichtigen Grundlagenforschung, ist ein erheblicher Lösungsbedarf an sehr spezifischen Problemstellungen vorhanden. Das können sowohl spezielle Fragen der Automatisierung oder der technischen Qualitätsüberwachung in einem Betrieb des Maschinenbaus sein oder auch die Frage nach der Integration junger ausländischer Mitbürger in Sportvereinen, um ein Beispiel aus den Sozialwissenschaften zu nennen. Über die Bearbeitung solcher Probleme entwickelt sich in vielen Fällen eine gewinnbringende, vertrauensvolle Zusammenarbeit und schon ist man mittendrin!
Warum sind nun Hochschulen für angewandte Wissenschaften für solche Fragestellungen prädestiniert? Die Antwort ist in der beruflichen Vorgeschichte der Professorinnen und Professoren zu finden, lautet doch eine zentrale Anforderung bei unserer Personalauswahl, dass nach der Promotion einige Jahre außerhalb von Hochschulen und auch außerhalb des öffentlichenDienstes gearbeitet werden musste. Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen haben also in Unternehmen gearbeitet, oft in entwicklungsnahen Bereichen, und kennen aus eigener Erfahrung die unternehmerisch geprägte Art, Probleme pragmatisch anzugehen. Es liegt auf der Hand, diese Erfahrungen zu nutzen.
Aus kleinen Anfängen heraus hat sich so eine FuE-Landschaft an der HTW entwickelt. Heute ist sie bunt und aktiv. Es gibt einzelne Kolleginnen und Kollegen, die praktisch alleine, oder durch die Einbeziehung von Studierenden in den Abschlussarbeiten Probleme aufgreifen und lösen helfen. Es gibt kleinere und größere Arbeitsgruppen, zum Beispiel in der Informatik. Über viele Jahre hinweg haben diese Kollegen an „ihrem“ Thema gearbeitet, heute bekommen sie im großen Rahmen EUForschungsmittel und gründen Firmen aus. Es gibt verschiedene Institute, neue und etablierte, von zwei Mitarbeiter/innen bis zu ca. 40 in den Instituten Forgis oder IZES. Gemeinsam ist all diesen Aktivitäten, dass sich die Akteure um ihre Finanzierungen selbst kümmern. Dieses Geld liegt nicht auf der Straße, sondern muss – gegen die immer vorhandene Konkurrenz – gewonnen werden.
Es freut uns deshalb sehr, unsere vielfältige FuE-Landschaft hier vorstellen zu können, konnten doch im letzten Jahr mehr als 7 Mio. € an FuE-bezogenen Drittmitteln eingeworben werden.Gemessen an unserem staatlichen Budget von ca. 14 Mio. € für die gesamte HTW ist dieser Erfolg wohl offensichtlich.
Maßgeblich beigetragen hat auch die kontinuierliche Förderung durch das Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft. Jedes Jahr können wir durch diese Initialförderung vornehmlich junge Kolleginnen und Kollegen mit etwas Geld und in manchen Fällen auch einer halben Personalstelle ausstatten, um ihnen den Start in die FuE-Welt zu erleichtern. Eine weitere Förderung mittels drei Personalstellen durch das Ministerium erlaubte die Gründung einiger Institute, die nun auf einem guten Weg sind. Für diese finanzielle und die damit verbundene ideelle Förderung sind wir dankbar.


